Papierlose Fertigung
Von der Laufkarte zum digitalen Prozess
Die Laufkarte stimmt nur am Tag des Ausdrucks, und die Rückverfolgbarkeit endet beim Haken im Ordner. Fehler finden Sie bei der Endprüfung oder Ihr Kunde.

Rückverfolgbarkeit
Qualität
Fehlervermeidung
Papierlos
Nachweisbarkeit
Ausgangslage
Sie fertigen Komponenten in Losen von einem bis zu wenigen Dutzend Stück. Die Variantenzahl ist hoch, die Arbeitsfolge lang, und Ihr Kunde erwartet zu jedem Werkstück einen Fertigungsnachweis und Rückverfolgbarkeit bis zur einzelnen Komponente.
Ein Auftrag beginnt im ERP. Jemand druckt ihn aus und stellt einen Ordner zusammen: Deckblatt, Arbeitsfolge, Stückliste, Zeichnung und Arbeitsanweisungen. Der Ordner fährt mit dem Werkstück auf dem Wagen mit. Wer einen Arbeitsgang erledigt, zeichnet ihn mit Kugelschreiber ab. Am Ende geht der Ordner ins Büro, wird auf Vollständigkeit geprüft und abgelegt.
Am Arbeitsplatz gibt es keinen Bildschirm und keine Werkerführung. Es gibt den Ordner, die Zeichnung und den Satz Teile.
Dann weist der Wareneingang Ihres Kunden zwei von acht Türmodulen zurück. Sie schlagen den Ordner auf, und jedes Kästchen ist abgehakt. Doch der Ordner sagt Ihnen nicht, welche Konsole in welches Werkstück ging, ob ein Arbeitsgang wirklich nach dem anderen stattfand oder welcher Stand in jener Woche am Arbeitsplatz galt. Die Eingrenzung umfasst deshalb nicht zwei Werkstücke. Sie umfasst alle acht — und die vier, die Sie bereits ausgeliefert haben.
Was heute schiefgeht
Der Plan ist eingefroren, bevor das erste Werkstück angefasst wird
Der Plan liegt im ERP, eine gedruckte Kopie davon wandert durch die Fertigung. Es gibt also zwei Fassungen, und gearbeitet wird nach der auf dem Wagen. Die Konstruktion gibt am Dienstag einen neuen Stand frei, der Ordner kam am Montag aus dem Drucker. Am Arbeitsplatz ist der Unterschied nicht zu erkennen: Eine gedruckte Seite sieht am Mittwoch genauso verbindlich aus wie an dem Tag, an dem sie aktuell war.
Am Arbeitsplatz erzwingt nichts die Reihenfolge
Das Blatt listet die Arbeitsgänge der Reihe nach auf. Kommen die Teile für einen davon zu spät, wird der nächste vorgezogen und der frühere abgezeichnet, sobald die Teile da sind. Meistens geht das gut. Manchmal nicht, und der Ordner sieht in beiden Fällen gleich aus.
Ob jemand die Arbeit ausführen durfte, ist Vertrauenssache
Auf dem Blatt steht vielleicht, welche Qualifikation ein Arbeitsgang verlangt. Ob die Bedienperson sie hat, weiss aber nur sie selbst. Nichts hindert dieselben Hände daran, einen Arbeitsgang auszuführen und den davor abzuzeichnen. Festgehalten wird auch nicht, wer die Arbeit gemacht hat, sondern nur, wer ins Kästchen geschrieben hat.
Komponenten werden nach Augenmass verbaut
Die Stückliste nennt vier Konsolen der einen Art und zwei einer anderen, links und rechts, kaum voneinander zu unterscheiden. Die Bedienperson nimmt sie aus dem Teilesatz und baut sie ein. Im Ordner steht danach ein Haken hinter der Zeile. Welches Teil an welche Position welches Werkstücks ging, steht nirgends.
Der Nachweis entsteht bei der Auswertung, nicht bei der Entstehung
Bis der Ordner im Büro ankommt, sind alle Unterschriften da. Ein Ordner ist vollständig, wenn er vollständig aussieht. Nichts darin unterscheidet einen Arbeitsgang, der unmittelbar erfasst wurde, von einem, der am Schichtende abgezeichnet wurde.
Was sich ändert
Die Arbeitsgänge werden einmal beschrieben, nicht je Auftrag
Ihre Arbeitsvorbereitung beschreibt jeden Arbeitsgang einmal und verwendet ihn wieder. Für einen Auftrag werden die Arbeitsgänge dann nur noch angeordnet, und je Arbeitsgang wird festgelegt, welche vorher fertig sein müssen, welche Anweisung in welchem Stand erscheint und welche Qualifikation es zum Starten und zum Abschliessen braucht. Wo das Vier-Augen-Prinzip gilt, hängt die Regel an der Abhängigkeit selbst: Wer den vorherigen Arbeitsgang ausgeführt hat, kann den nachfolgenden nicht starten. Regeln, die immer gelten, werden einmal hinterlegt und greifen bei jedem passenden Arbeitsgang, ohne dass die Arbeitsvorbereitung daran denken muss.
Die Werkerführung am Bildschirm ersetzt das Visum im Ordner
Die Bedienperson meldet sich am Terminal mit dem eigenen Badge an und scannt das Werkstück vor sich. Der Bildschirm zeigt nur die Arbeitsgänge, die dort ausgeführt werden dürfen, entweder als nicht begonnen, laufend oder erledigt. Startet sie einen Arbeitsgang, erscheint die Anweisung in genau dem Stand, mit dem dieser Arbeitsgang eingerichtet wurde, nicht im neuesten und nicht in dem, der im Ordner liegt. Der Arbeitsgang startet nicht, solange einer, von dem er abhängt, offen ist, und nicht, wenn der Bedienperson die Qualifikation fehlt.
Komponenten werden direkt auf das Werkstück gescannt
Während der Arbeitsgang läuft, scannt die Bedienperson jedes Teil. Jeder Scan wird gegen die Stückliste des Auftrags geprüft, beschränkt auf die Positionen dieses Arbeitsgangs, und festgehalten: dieses Teil, an dieser Position, in diesem Werkstück, zusammen mit Person, Arbeitsplatz und Zeitpunkt. Bei einer grossen Baugruppe arbeitet sie sich durch benannte Zonen, statt alle Positionen auf einmal vor sich zu haben. Ein fertiges Werkstück lässt sich wiederum als Komponente einer grösseren Baugruppe scannen, und so wird das Türmodul Teil der Baugruppe, in die es eingebaut wird.
Der Abschluss ist eine Folge, keine Aufgabe
Ist der letzte offene Arbeitsgang als erledigt gemeldet, ist das Werkstück fertig; sind alle Werkstücke fertig, ist es der Auftrag. Niemand trägt den Nachweis hinterher zusammen, weil er während der Arbeit entstanden ist. Das Dokument für Ihren Kunden wird aus dem erzeugt, was gescannt und gemeldet wurde: jeder abgeschlossene Arbeitsgang mit Person, Zeitpunkt und Arbeitsplatz, und jede Stücklistenposition mit dem, was ihr zugeordnet wurde.
Ihr Nutzen
Eingegrenzt wird auf die Werkstücke, die es wirklich betrifft
Stellt sich eine Komponente als verdächtig heraus, lesen Sie die Nachweise der fraglichen Werkstücke, statt zu raten. Gesperrt werden nur die betroffenen, nicht das ganze Los. Das gilt auch für die Werkstücke, die Sie bereits ausgeliefert haben.
Fehler zeigen sich am Arbeitsgang statt bei der Endprüfung
Die Rückmeldung kommt direkt am Arbeitsplatz, bei der Person, die es betrifft. Fehler werden direkt verhindert und nicht erst bei nachfolgenden Schritten erkannt.
Eine Frage zu einem ausgelieferten Werkstück ist am selben Tag beantwortet
Sie öffnen den Nachweis dieses Werkstücks und lesen ihn, statt herauszufinden, welcher Ordner es war, ihn zu suchen und zu hoffen, dass genug darin steht. Niemand läuft fehlenden Unterschriften hinterher, und niemand prüft einen zurückgekommenen Ordner auf Vollständigkeit, weil kein Ordner zurückkommt.
Wie ein Datensatz im Vormonat aussah, lässt sich nachlesen
Jede Änderung an jedem Datensatz bleibt mit Person, Ort und Zeitpunkt in einem Protokoll erhalten, das weder bearbeitet noch gelöscht wird. Wie etwas zu einem früheren Zeitpunkt stand, lesen Sie dort nach, statt zu hoffen, dass jemand eine Kopie aufbewahrt hat.
Im Einsatz
Stadler Rail verfolgt die Konfiguration jedes Zugs bis zur Komponente
Am Standort Winterthur kennzeichnet der Schienenfahrzeughersteller alle konfigurationsrelevanten Teile mit einem Code oder Tag und scannt sie, statt sie über Fertigungsschritte und Standorte hinweg von Hand zu kontrollieren und zu erfassen. Die Erfassung braucht seither weniger Aufwand, und die Daten sind verlässlicher. Die Mitarbeitenden erhalten im selben System zudem projektspezifische Anweisungen.
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